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Fessenheim

Badische Zeitung vom Dienstag, 12. Dezember 2006

"Ökostrom-Insel Südbaden"

Die pauschale Aussage, man müsse für Ökostrom "in aller Regel einen Aufschlag zahlen" ist im Ländle zum Glück nicht haltbar. Das belegt auch ein Vergleich der Standardtarife der südbadischen Stromhändler. Nur extrem sparsame Singlehaushalte (420 kWh/Jahr) stehen finanziell günstiger da, wenn sie beim badenova-Standard-Tarif "mini" bleiben, statt beispielsweise zur den Elektrizitätswerken Schönau zu wechseln. In diesen asketischen Verbrauchs-Dimensionen bewegen sich die wenigsten. Der Bund der Energieverbraucher BdE gibt für sparsame Singlehaushalte Verbräuche von 1200 kWh pro Jahr an. Ergo: sehr viele Haushalte in und um Freiburg zahlen für einen fossil-nuklearen Mix drauf. Im EnBW-Gebiet sieht es ähnlich aus: Hier würde sich ein Wechsel aus dem Standard-Tarif (komfort) zu den "Stromrebellen" aus finanzieller Sicht lohnen, bis zu einem Verbrauch von 3600 kWh im Jahr. Das entspricht laut BdE dem Verbrauch eines sparsamen 4-Personen-Haushaltes. Einzig der Wechsel zur EnBW-Tochter NaturEnergie bringt eine finanzielle Mehrbelastung mit sich. An dieser Stelle lässt der Tarifdschungel einmal eine Pauschalaussage zu: die jährliche finanzielle Belastung der NaturEnergiekunden liegt immer mindestens 44,-- Euro über den Kosten für Schönauer "Rebellenstrom". Ein direkter Vergleich zwischen den Standardtarifen von EnBW, badenova und Naturenergie ist da schon schwieriger. Hier führen die unterschiedlichen Grund- und Arbeitspreise zu unterschiedlichen, verbrauchsabhängigen Ergebnissen. Wer seinem Unternehmen treu sein möchte, der ist auf alle Fälle gut beraten, sich in den Tarifdschungel zu begeben, um herauszufinden, ob er eventuell dasselbe Produkt beim selben Anbieter zu einem wesentlich günstigeren Preis bekommen kann. Und wer als Überzeugungstäter echten Ökostrom beziehen möchte, der spart bei einem Wechsel unter Umständen schon ganz aus Versehen.

Frank Dörr, Freiburg

 © 2006 Frank Dörr, Freiburg