Badische Zeitung vom Dienstag, 4. Juni 2002

Im Streit um den Computerclub ist keine Verständigung in Sicht
Während Gustav Rosa seinen Einsatz für die Jugendlichen nicht ausreichend unterstützt glaubt, sehen die Organisatoren des Jule-Projekts ihre Arbeit verunglimpft

BREISACH-NIEDERRIMSINGEN. In den letzten Wochen gab es in Niederrimsingen einigen Ärger. Während die einen ihr Dorf in den Schmutz gezogen und den Dorffrieden empfindlich gestört sahen, glaubten andere ihre Arbeit und ihr ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit verunglimpft. Die Rede ist von den Auseinandersetzungen um den Jule-Computerclub, die in den vergangenen Wochen zu einem öffentlichen Streit eskalierten.
Zum ersten Mal öffentlich wurde der Streit Ende März, als Gustav Rosa, seines Zeichens Ortschaftsrat und Computerkursleiter beziehungsweise Computerclub-Initiator, in einer öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates, den Jule-Computerclub Rimsingen (JCCR) für aufgelöst erklärte.
Es folgten Berichtigungen und Gegendarstellungen sowie geharnischte Stellungnahmen im Internet.
Zunächst die Darstellung Gustav Rosas. Die Idee zu einem Jugend-Computerclub sei ihm vor mehr als zwei Jahren gekommen. Auf zeitgemäße Art und Weise sollten Jugendliche dort sinnvoll beschäftigt werden.
Auf der Suche nach einem Dachverein sei er auf die "Aktion Lebensraum" gestoßen, die seit zehn Jahren in Rimsingen das Dauerprojekt "Jugend und Lebensraum", kurz "Jule" unterhält, in dessen Rahmen Kinder und Jugendliche mit alten und neuen Kulturtechniken vertraut gemacht werden sollen.
Geleitet wird Jule-Rimsingen von Veronika Schlör. Über eine Zusammenarbeit zwischen Jule und dem geplanten Computerclub habe laut Rosa rasch Einigkeit bestanden. Schon im Mai 2000 habe Schulrektor Karl-Heinz Saffran im Gespräch mit ihm die Nutzung eines Schulraumes und des vorhandenen kostenlosen Internetanschlusses in Aussicht gestellt. Im September 2000 konnten die Jugendlichen in einen Kellerraum der Schule einziehen und diesen zunächst gemeinsam mit der Kernzeitbetreuung nutzen.

Zankapfel Linux

Computer wurden beschafft, mit großem Engagement umgerüstet, Programme wurden installiert, ein Netzwerk wurde aufgebaut. Zusammen mit den Schulrechnern habe der JCCR am Ende über acht PCs und zwei Server verfügt. Acht Jugendliche hätten daran regelmäßig gearbeitet. Als Betriebssystem war Linux installiert. Lediglich auf den Schul-PCs sei auch noch Windows gelaufen. Das hatte, so Rosa, vor allem zwei Gründe. Zum einen wären die Lizenzgebühren für Windows sehr hoch gewesen und zum anderen sei Linux für ambitionierte Anwender erheblich besser geeignet als Windows.

Bei der Schulleitung stieß die Verwendung von Linux jedoch auf Kritik, weil die Rechner dadurch für den Schulbetrieb nur noch eingeschränkt nutzbar waren. Ein weiterer Konfliktpunkt sei, laut Rosa, die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Jugendtreff gewesen, dessen Räume vom Computerclub mitgenutzt wurden. Umgekehrt hätten einzelne Teilnehmer des Jugendtreffs ab und zu beim Computerclub hereingeschaut. Für Rosa war dies kein Problem. Schließlich sei es ihm ja vor allem um die Jugendarbeit im Ort gegangen. Dennoch habe sich an diesen Konfliktpunkten ein unschöner Streit entzündet, der schließlich dazu führte, dass Rosa und der JCCR den Schulraum nicht mehr nutzen konnten. Auch kündigte Jule die Zusammenarbeit mit Rosa auf. Damit war der Computerclub am Ende.

Allerdings hat Rosa dafür noch andere Gründe ausgemacht. Er mutmaßt, dass die Ortsverwaltung von Anfang an wenig mit dem Projekt des Computerclubs anzufangen wusste. Auch von der Stadt habe es keinen Rückhalt gegeben. Vor allem für die Jugendlichen sei dies sehr traurig. Alle wollten weitermachen und, wenn nötig, auch einen eigenen Verein gründen. Dazu mangele es jedoch an Computern und jetzt auch an geeigneten Räumlichkeiten. Zurzeit treffe man sich deshalb bei Rosa im Keller. Das sei jedoch auf Dauer keine Lösung.

Es überrascht nicht, dass Veronika Schlör und die Geschäftsführerin von "Aktion Lebensraum", Annette Meiser, den Streit anders darstellen. Das fängt bereits bei der Bezeichnung "Computer-club" an. Laut Schlör habe "Jule" schon vor fünf Jahren damit begonnen, Konzepte für die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an die Computertechnik und das Internet auszuarbeiten. Rosa habe mit seinem Vorschlag bei Jule keineswegs Neuland betreten.

Vor allem aber sei nie die Rede davon gewesen, innerhalb von Jule einen eigenen Club zu gründen. Vielmehr sei es um einen Jule-Computerkurs für Jugendliche unter der Leitung von Gustav Rosa gegangen. Im vergangenen Jahr habe sich jedoch immer wieder gezeigt, dass Rosa den Computerkurs als sein eigenes Projekt ansah und sich nicht um Vereinbarungen mit ihr, der Schule oder mit Jule kümmerte.

Es könne nicht sein, dass auf "Jule"- beziehungsweise auf Schulrechnern Betriebssysteme installiert würden, mit denen andere Nutzer nicht umgehen könnten. Auch die Einführung von Passwörtern, die nur Rosa kenne, sei ein Unding.

Offizielle Anmeldung nötig

Selbstverständlich seien Jugendliche aus dem Jugendtreff auch bei Jule willkommen. Allerdings müssten sie sich aus Versicherungsgründen offiziell bei den Kursen anmelden, wenn sie regelmäßig teilnehmen wollten. Zum Streit sei es gekommen, weil Rosa ihre Einwände konsequent ignoriert habe. Unter diesen Voraussetzungen sei eine Zusammenarbeit zwischen Jule und Rosa nicht mehr möglich gewesen.

Von einem Ende der Computerkurse bei "Jule" - neben dem Kurs von Gustav Rosa gab es noch einen weiteren für Kinder - könne indes nicht die Rede sein. Im Gegenteil, es seien erst jüngst neue Rechner angeschafft worden. Auch die bislang von Rosa betreuten Jugendlichen könnten sich weiter bei Jule betätigen.

Die wollen das jedoch nicht. Sie stehen hinter Rosa. Auch wollen sie unbedingt weiter mit Linux arbeiten. Annette Meiser, die Geschäftsführerin und Mitinitiatorin von "Aktion Lebensraum", macht Gustav Rosa zum Vorwurf, dass er durch die Art und Weise, wie er die Auseinandersetzung im Internet und Ortschaftsrat in die Öffentlichkeit gebracht hat, die gesamte Arbeit von Jule in Rimsingen in Misskredit gebracht habe. Damit aber nehme die Jugendarbeit im Ort insgesamt Schaden. Auch Ortsvorsteher Erhard Bucher findet die Art und Weise, wie der Streit in die Öffentlichkeit getragen wurde, sehr unglücklich. Bucher hofft, dass die ganze Angelegenheit jetzt endlich erledigt ist. Inhaltlich habe er sich aus dem Konflikt herausgehalten. Das sei eine Angelegenheit zwischen "Jule", Schule und Gustav Rosa gewesen, zu der er sich auch nicht weiter äußern wolle.

Thomas Rhenisch

2002 Badische Zeitung